Aktuelles

Kunstausstellung „Die Waffen des Lichtes“

von Monika Berger

Dein Leben, was stellt es dar? Was hast du aufgebaut, was erreicht? Welche Werte hast du dir erworben? Wer bist du? Wen stellst du dar? Welche Spuren hinterlässt du?
Viele dieser Fragen kamen hoch, während ich die Ausstellung „Waffen des Lichtes“ mit Bildern von Frau Mag.a. Anna Neulinger durchschritt. Am Wochenende vom 29. und 30. April 2017 stellte die junge Künstlerin und Kunstpädagogin einige ihrer Werke im Gemeindezentrum der Petrusbrüder in Linz aus. Sie erklärte in persönlichen Gesprächen und in einem Vortrag deren Entstehungsgeschichte.

Unser Leben gleicht einem Stickbild, wir verwenden die von Gott geschenkten Möglichkeiten und die uns vererbten Talente, dann beginnen wir zu gestalten. Einmal dunkler, einmal heller, bunt und froh, ruhig und bestimmt, schwarz und betroffen. Die Möglichkeiten sind nicht unendlich, jedoch so vielfältig, dass wir das ganze Leben anfüllen könnten. Oder wir bauen an manchen Stellen Ruhe, Schweigen, Verzicht ein: Wir lassen Raum und Zeit leer. Trotzdem kommt uns unser Leben wie ein großes Wirrwarr vor: Wir sehen nur die ungeordnete Rückseite, können die Zusammenhänge nicht erkennen und erst am Ende des Lebens bemerken wir, wie Gott alles wohl geordnet hat (siehe 2. Bild unten).

Ohne zu belehren, zeigen diese Kunstwerke die Sehnsucht und den Wunsch des Menschen nach Licht und verleihen der Freundschaft mit dem Lichtvollen gestalterischen Ausdruck. Die Ansprache Pater Walthard Zimmers verdeutlichte diese Intention und ermutigte die Betrachter in direkte Auseinandersetzung mit den Werken zu treten.
Anschließend setzte Frau Katharina Milanollo die ausgestellten Arbeiten der jungen Künstlerin in Verbindung mit dem Konzept von PURE ART, welches eine namhafte Züricher Kunstgalerie entwickelt hat um den Leitfaden zu ihrer Galerietätigkeit zu stellen (http://wordpress.p259752.webspaceconfig.de/wbb-gallery/ausrichtung/).
Mit PURE ART werden Kunstwerke von authentischen Menschen bezeichnet, die über Bewusstsein, Herz und Hingabe verfügen. Hier ist von Künstlern die Rede, die trotz einer aus den Fugen geratenen Welt an das Lichtvolle glauben und mit ihrem Talent „ästhetisch und inhaltlich hochwertige zeitgenössische Kunst mit einer positiven Grundhaltung“ erzeugen. Ein Ziel, welchem sie dienen, ohne einem bestimmten Dogma zu folgen oder einer Utopie zu erliegen.

Das Herz der Ausstellung bildet ein Stickbild, welches in der Mitte des großen Saales aufgehängt wurde. Zu dessen Titel, „Textiles Erbe“, erklärt die Künstlerin, dass es sich bei dem vorliegenden Werk um Garnreste ihrer Großmutter (Helene Bugl) und um einen alten Leinenvorhang einer anderen Dame (Rotraud Richtsfeld) handelt, die ihr nach deren Tod übergeben wurden.
Mit Hilfe der Kulturtechnik „Sticken“ wertete Frau Neulinger diese ausgesonderten Materialien wieder auf und führte sie zusammen in einem Kunstwerk, welches mit Aktualität und Bedeutung beladen, jedem Kunstkritiker gewachsen ist.

Wandteppich hintenIch habe bei dieser Arbeit gelernt, mir selber zuzuhören. Erst als mir bewusst wurde, dass meine Fähigkeiten der Aufgabe gewachsen waren, konnte ich das Ergebnis loslassen und die Arbeit beenden. Nun musste ich nicht mehr die ganze Fläche zu-sticken/voll-sticken/ er-sticken. Mir wurde klar, dass auch die un-bestickten Flächen wichtig und notwendig sind um dort ruhend zu verweilen.“
Weiter, erklärt die Künstlerin, sie hat nichts aufgetrennt, sie ist nicht zurückgegangen, sie hat die Hinterseite nicht vernäht und lässt das Bild in Wärme, Farbe und Vielschichtigkeit erstrahlen.

Neben vielen farbenfrohen Bildern konnte man auch Bleistiftzeichnungen betrachten und auf sich wirken lassen. Jedes Werk beanspruchte die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters und erregte verschiedene Gedanken und Emotionen. Insgesamt eine beeindruckende und schöne Erfahrung mit zeitgenössischer Kunst.

Anna Neulinger ist 1989 in Melk als 10. von 11 Kindern geboren. Seit ihrer Kindheit zeichnet und malt sie und konnte sich so ihren Freiraum und ihre Privatsphäre in der großen Familie sichern.

2008 begann sie das Studium der Bildnerischen Erziehung und Textiles Gestalten an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz, ging 2013 nach England und absolvierte an der University of he West of England (UWE), Bristol, ein Bachelorstudium in Mode- und TextilDesign (2014). 2016 schloss sie ihr Lehramtsstudium mit der Diplomarbeit („Textiles Erbe“ ab und lehrt nun Bildnerische Erziehung und Textiles Gestalten an der privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz.

 

 

Weitere Eindrücke von der Ausstellung

     
     
     
     

 

Mehr Bilder sind auf der Bildergalerie zu finden: Die Waffen des Lichtes

oder auf http://naneuthings.tumblr.com

 

2017  Fssp Linz  globbersthemes joomla templates