Priesterbruderschaft St. Petrus, Linz

Haus Hl. Florian

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Zur Erklärung unseres Namens:

Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri = FSSP

= Priesterbruderschaft St. Petrus oder kurz: Petrusbruderschaft



Zur Geschichte der Linzer Gemeinde:

Folgender Artikel wurde 2003 zum 15-jährigen Bestehen der FSSP verfaßt.


Mit etwas Geduld wird auch aus Gras Milch

Die Linzer Gemeinde der FSSP


"Linz-Minoritenkirche, Sonntag, 10:00 Uhr: Etwa 140 Meßbesucher teilen sich nach dem feierlichen Hochamt in drei Gruppen. Die einen bleiben in der Kirche, um die Christenlehre anzuhören, die anderen plaudern vor der Kirche, die dritten eilen nach Hause.“


So begann vor fünf Jahren ein Artikel, der die Linzer Gemeinde der Priesterbruderschaft St. Petrus, anläßlich ihres 10-jährigen Bestehens vorstellte. Heute, wenn die Bruderschaft ihr 15- jähriges Bestehen feiert, ist das Bild in Linz ein anders. Die Kirche ist nicht mehr so voll und die Gruppe der Plaudernden ist kleiner geworden. Steht es heute schlechter um die Gemeinde?

Keineswegs!


Mittlerweile kann die Bruderschaft in Linz eine zweite Sonntagsmesse anbieten: 08:30 feierliches Hochamt, 10:30 Bet-Singmesse. Die einen bleiben immer noch nach dem Hochamt in der Kirche, um die Christenlehre zu hören, die andern strömen schon in die Kirche, um noch vor der Messe der Christenlehre zu folgen. Der Beichtstuhl ist umlagert, weil während den Messen auch Beichtgelegenheit angeboten werden kann. Die Plauderer werden gestört von den Zuspätkommenden, die nach Hause Eilenden sind die gleichen geblieben.


Die Anzahl der Messbesucher teilt sich nun auf zwei heilige Messen auf. Für jede Messe hat sich ein bestimmter Kreis von Gläubigen gebildet. Das Hochamt mit Weihrauch und Choralgesang wird vorzugsweise von jenen besucht, die gerne einer feierlichen Liturgie folgen. Die bewußt schlichter und kürzer gehaltene "Spätmesse“ um 10:30 wird vor allem gerne von Familien mit Kindern genützt, von Jugendlichen denen nach dem „saturday-nigth-fever“ 08:30 Uhr zu früh ist, oder auch von Bauern aus dem ländlichen Gebiet um Linz, denen mit Stallarbeit, duschen und umziehen das Hochamt ebenfalls zu früh ist.


Die Linzer Gemeinde ist in den letzten Jahren langsam und stetig gewachsen. Der Umstand, daß es heute in Linz fast so etwas wie eine Personalpfarre für den alten Ritus gibt, ist geduldiger Aufbauarbeit zu verdanken: „Mit Geduld wird auch aus Gras Milch.“


Die Geschichte dieser Gemeinde reicht bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil zurück.

Der Anfang: Damals wirkte in der Linzer Minoritenkirche der weit über Oberösterreich hinaus bekannte Priester Josef Kronsteiner. In dem Buch „Eine Mutter und 11 Kinder“ (Veritas-Verlag: ISBN 3-85529-176-7) hat sein Bruder, ebenfalls Priester, die beeindruckende Geschichte dieser Familie niedergeschrieben. Josef Krornsteiner wollte den neuen Meßritus nicht zelebrieren und, feierte in aller Stille in der Minoritenkirche die „alte“ Liturgie weiter. Mit der Zeit sammelte sich dort eine kleine Gemeinde. Der damalige Bischof von Linz, Zauner, war so klug, dies nicht zu verbieten. So wurde in dieser Kirche ohne Unterbrechung trotz Liturgiereform immer der klassische römische Ritus zelebriert.

Nach dem Tode Kronsteiners fehlte aber ein Priester, der die tridentinische Messe gefeiert hätte. Engagierte Gläubige konnten den tschechischen Priester Vojtech Valent dafür gewinnen. Nachdem auch er krankheitshalber von diesem Dienst ausschied, übernahm Kanonikus Haslinger die damals eher kleine Gemeinde.


Im Frühjahr 1990 begann dann Pater Klaus Gorges, ein Priester der Priesterbruderschaft St. Petrus, von Salzburg aus, Kanonikus Haslinger bei der Feier der überlieferten Liturgie in der Minoritenkirche auszuhelfen. Anfangs nur ab und zu, dann immer häufiger, schließlich wurde die Petrusbruderschaft ganz mit der Betreuung dieser Gemeinde beauftragt. Von da an wuchs sie stetig und mit ihr die Seelsorge.


Langsames Wachstum: Mehrere Jahre hindurch fuhr nun ein Priester am Sonntag von Salzburg nach Linz feierte um 08:30 die heilige Messe, um dann nach Wien weiterzufahren und dort um 18:00 zu zelebrieren und schließlich nach Salzburg zurückzukehren. Ab Mitte 1995 wohnte Pater Dietmar Aust ständig in Linz, seit Sommer 1996 wirkt dort Pater Walthard Zimmer, zeitweise von einem zweiten Priester unterstütz, zeitweise allein. Seit seiner Priesterweihe vor über einem Jahr wirkt nun auch der Vorarlberger Priester Pater Bernhard Kaufmann in Linz und ganz Oberösterreich.


Reichhaltiges Angebot: Die seelsorgliche Betreuung gleicht nun fast der einer Pfarre. Es gibt neben den täglichen Messen – Montag, Dienstag und Mittwoch jeweils um 08:30 und um 18:00 Uhr, Donnerstag, Freitag und Samstag um 07:00 (nicht immer) und um 08:30 – Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, Hochzeiten und Begräbnisse; wöchentliche Anbetungsstunden (Mittwoch 17:00) und eine monatliche Sühnenacht (zweiter Samstag im Monat, 20:00); Ministrantenunterricht, Kinderkatechese, Jugendgruppe und Christenlehre; einen Gebetskreis für Erwach-sene und einen Kindergebetskreis sowie Schulungsseminare zum Beispiel über die Benützung des Schottmeßbuches. Wallfahrten, eine jährliche Gemeindever-sammlung sowie Zeltlager für Kinder im Sommer runden die Aktivitäten ab.


Nicht nur Linz alleine: Pater Bernhard Kaufmann betreut mittlerweile kleine Gemeinden in den Pfarren Vestenthal und Schardenberg. In der Pfarre St. Konrad sorgt die Bruderschaft einmal im Monat für eine Meßgemeinde, eine Kinder- und eine Jugendgruppe.


Einheit und Friede: Der Linzer Diözesanbischof Dr. h.c. Maximilian Aichern hat den Priestern der Priesterbruderschaft St Petrus die uneingeschränkte Erlaubnis gegeben, in allen Kirchen und Kapellen der Diözese zu zelebrieren und zu predigen. Das "Jahrbuch der Diözese“ (Schematismus) führt die Messen in der Minoritenkirche mit dem Vermerk „alter Ritus“ genauso selbstverständlich an wie die Plakate, die in allen Kirchen aushängen und einen Überblick über alle Messen der Stadt geben.



Dieses unverkrampfte Verhältnis zum klassischen römischen Ritus führt weder zu Streit noch zu Spaltungen. Es könnte Vorbild sein für viele andere Diözesen, so daß der für den Tourismus geprägte Werbespruch „In Linz beginnt's“ einen ganz neuen Sinn bekommen könnte.


Pater Walthard Zimmer




Folgender Artikel über die Geschichte der FSSP in Österreich wurde 2013 anlässlich des 25-jährigen Bestehend der FSSP verfasst:



Land des Anfangs, Land der Kirchen

Die Initialzündung für die Petrusbruderschaft liegt in Österreich, hier stehen ihr wunderschöne Kirchen zur Verfügung und das Besondere ist, dass alles ganz normal verläuft.


"Land der Berge (...), Land der Dome", so singt die österreichische Bundeshymne. Für die Priesterbruderschaft St. Petrus in Österreich ließe sich formulieren: "Land des Anfangs, Land der Kirchen".

In Wien, Linz und Salzburg feiert die Petrusbruderschaft in wunderschönen Barockkirchen die heilige Messe im außerordentlichen Ritus. In Salzburg und Linz stehen Kirchen zur Verfügung, die fast aus-schließlich für das Meßopfer in dieser Form genützt werden. Dies ist möglich, weil die österreichische Gemütlichkeit von Anfang an verhindert hatte, dass Bischöfe diesen Ritus vehement bekämpften. Wenn hier steht "von Anfang an", dann ist das durchaus wörtlich zu verstehen, denn der Anfang der FSSP liegt in Österreich.


Als nach den unerlaubten Bischofsweihen von 1988 Priester und Seminaristen die Priesterbruderschaft St. Pius X. verließen, wussten sie nicht, wie es weiter gehen sollte. Sie wussten nur, dass sie sich am 2. Juli in Sigmundsherberg - einem Eisenbahnknoten-punt in der Nähe von Wien - treffen wollten. Der Ort hatte sich zufällig ergeben, weil dort ein befreundeter Priester wohnte, der Platz hatte, dies Gruppe aufzunehmen. Dort, in der Bahnhofswirtschaft von Sigmundsherberg, feuerte die Initialzündung der Petrusbruder-schaft. Dort wurde der Entschluss gefasst, die Gründung einer neuen Gemeinschaft zu ver-suchen, dort wurde die erste Presseerklärung verfasst, durch die öffentlich wurde, dass es eine Gruppe gibt, die Erzbischof Lefebvre nicht ins Schisma folgen wolle, dort gab die Meldung von Radio Vatikan über das Motu Proprio "Ecclesia Dei adflicta" dieser kleinen Schar die Hoffnung, dass ihre Pläne mehr sein könnten als nur Träumerei, dort wurde ein Termin mit Kardinal Groer gemacht, der dann Kontakt zu Rom herstellte und so der Gründung der Priesterbruderschaft St. Petrus den ersten Weg ebnete.


Heute, fünfundzwanzig Jahre nach diesen Ereignissen, lebt in und mit der FSSP eine Generation von jungen Erwachsenen, für die diese Erinnerung einfach nur Geschichte sind. Für sie ist es normal, dass - zumindest in Österreich - der außerordentliche Ritus völlig unproblematisch in Kirchen gefeiert werden kann, dass die Petrusbrüder Taufen spenden, Firmungen organisieren, Ehen assistieren und Begräbnisse halten können. Nicht nur in der Kapuzinerkirche und der Kirche Peter und Paul in Wien, nicht nur in der Minoritenkirche in Linz und nicht nur in St. Sebastian in Salzburg ist die Priesterbruderschaft St. Petrus tätig, von allen drei Kirchen werden auch noch Messzentren in der näheren und ferneren Umgebung versorgt. An allen drei Orten machen Kinderkatechesen, Vorbereitungen auf die Sakramente, persönliche Seelsorge und ein reges Gemeindeleben diese Niederlassungen einer Pfarre sehr ähnlich. Diese Generation weiß nicht mehr, dass in der Anfangszeit eine Sensation war, was heute völlig normal ist.

Als Pater Klaus Gorges in dem Salzburger Michaelakirchlein die erste Tätigkeit in Österreich mit und für den außerordentlichen Ritus aufnehmen konnte - noch bevor die Petrusbruderschaft am 18. Oktober 1988 gegründet worden war -, kam das einer Sen-sation gleich. Völlig unverhofft und unerwartet konnte in jenen Tagen ein Wiener Priester mit einer Messfeier in einer Wiener Pfarrkirche beginnen, die erst eine selbständige Gruppe bildete, die Jahre später der Grundstock der FSSP-Gemeinde wurde. Von Salzburg aus wurden heilige Messen in Linz und Wien betreut, bis diese Orte zu selbständigen Niederlassungen wurden.

Vor all diesen Ereignissen war aber bedeutsam, dass Priester und Seminaristen mit lauterem Herzen erkannt hatten, dass der Gehorsam gegenüber der Verfassung der Kirche verbieten würde, den bisherigen Weg weiterzugehen und dass die Liebe zu Gott gebieten würde, auf ihn zu vertrauen. Die Bereitschaft, dieser Erkenntnis zu folgen, unabhängig davon, ob das nun Vor- oder Nachteile brächte, war die eigentliche Geburtsstunde der Priesterbruderschaft St. Petrus.


Anlässlich des fünfunzwanzigsten Gründungs-jubiläums der FSSP machten Gläubige aus Salzburg, Linz und Wien eine Dankwallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes nach Maria Taferl. Der äußerst bereitwillige Mesner hatte für das levitierte Amt Meßgewänder aus der "Schatzkammer" geholt, den Hochaltar hergerichtet und sich um alle Eigenheiten des außerordentlichen Ritus bemüht. An der Zelebration des Hochamtes war nichts außergewöhnliches. Wahrscheinlich können nur mehr jene, die die Gründungsjahre miterlebten, nachfühlen, wie man als außergewöhnlich empfinden kann, dass alles normal ist.

In Salzburg leben und arbeiten derzeit drei Priester, in Wien und Linz jeweils zwei. Pater Grafl arbeitet in der Nuntiatur, sein Kaplan kümmert sich um die Katechesen. Beide ver-sehen Beichtdienst im Wiener Stephansdom.

Die Priester in Salzburg sind mit der Seelsorge in ihrer Gemeinde und Betreuung der Kirche und des Friedhofes beschäftigt und helfen im Lorettokloster mit heiligen Messen und Beichtdiensten.

Die Linzer Priester machen Seelsorge und führen ein Gemeindezentrum, das auch Gästen die Möglichkeit zur Übernachtung bietet. In Wien, Linz und Salzburg versieht die Priesterbruderschaft St. Petrus ohne größere Schwierigkeiten Dienste, die einer Pfarre sehr ähnlich sind. Eigentlich alles ganz normal und dennoch besonders für jene, die noch den Anfang kennen.